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Vegane Ernährung

Vegan = "total vegetarian". Also vollständig vegetarisch, Verzicht auf jegliche Tierprodukte. Warum nur Ernährung und nicht gleich auch Kleidung, Kosmetik, Kautsch und Konsum? Einen nachhaltigen Schritt nach dem anderen tun, ist mein Motto.

Alles fing damit an, dass meine Frau (die Nachtjeule) vor mittlerweile fast 3 Jahren auf vegan umstieg und ich zwangsläufig den Fraß mitessen musste, weil ich zu faul zum Kochen war. Dann war das Essen aber gar nicht so fad und schmeckte doch teilweise sogar richtig gut, so dass ich ihren Selbstversuch als neugieriger Mitesser begleitete. Zu einem radikalen Gesinnungswandel führte dieses Experiment aber noch nicht. Damals warteten wir bereits dreieinhalb Jahre auf unser erstes Kind, doch das Warten sollte bald ein Ende haben: Im Juli kam die erlösende Nachricht und im April 2012 der Sohnemann auf die Welt. Die Schwangerschaft und ersten Monate waren naturgemäß mit emotionalen Achterbahnfahrten, Umstellung auf die neue Situation und anderen Aktivitäten gefüllt.

Baby-led Weaning. Heute (September 2012): Selbstgemachter Double Cheeseburger.
Im September 2012, als Sohnemann schnurstracks auf die Halbjahresmarkierung zukrabbelte und sich über Baby-Led Weaning (babygesteuerte Beikosteinführung) ein vielfältiges Nahrungsangebot erschloss, beschlossen wir einen erneuten Anlauf in Sachen veganer Ernährung. Zuvor hatte ich wieder einem Dermatitis-Schub zu kämpfen gehabt und auf einer Familienfeier mit sehr mittelmäßigem fleischlastigen Essen zu unverhältnismäßig hohen Preisen kam mir in den Sinn: "Warum beschwerst du dich eigentlich über deine Hautprobleme, wenn du ständig Schund in dich reinstopfst? Wollen wir doch mal sehen, ob sich das nicht ändert, wenn ich mich gesünder ernähre."

Also, gesagt, getan. Aber nicht sofort von heute auf morgen alles radikal umgestellt, sondern nach und nach Mahlzeiten ersetzt und nach Alternativen umgesehen. Hatte ich früher zum Abendbrot eigentlich immer ein von meiner Frau liebevoll als "Jörnwich" bezeichnetes Vollkorntoast mit Käse, Wurst, Ketchup und Senf, so hielten jetzt pflanzliche Brotaufstriche und Zartbittercreme statt Nutella Einzug. Zudem kochte meine Frau verstärkt mein Mittagessen vor und an den anderen Tagen kaufte ich zunehmend vegetarische oder vegane Gerichte.

Der Erfolg zeigte sich prompt, zuerst vor allem auf der Waage. Von anfänglich 93 kg hatte ich innerhalb von drei Wochen 4 kg abgenommen. Da gerade Attila Hildmanns neues Buch über die 30-Tage-Challenge erschienen war und wir ihn wegen seiner leckeren Rezepte bereits schätzen gelernt hatten, beschlossen wir, dieses Experiment ebenfalls zu wagen. Die Entwicklung während dieser Zeit ist im Oktober-Archiv bestens dokumentiert. Kurzzusammenfassung: Ich bin bis unter die 80 kg-Marke gekommen, meine Haut hat sich stark gebessert, meine Verdauung ist wieder im Lot und ich fühle mich bei weitem nicht mehr so schlapp wie vorher. Allerdings war die Zeit der Challenge auch eine sehr intensive, in der außer Essen, Kochen, Planen und der ständigen mentalen Beschäftigung damit keine Zeit mehr für anderes blieb. Daher bin ich auch nicht in eine "Challenge for life" übergetreten, sondern ernähre mich weiterhin hauptsächlich vegan aber nicht notwendigerweise "challengemäßig". Obwohl die Rezepte aus "Vegan for Fit" und neuerdings auch "Vegan for Youth" bei uns immer noch hoch im Kurs stehen!

Ausnahmen von der Regel:
Ganz wichtig finden meine Frau und ich, anderen mit unserer Wahl der Ernährungsform nicht auf die Nerven zu gehen. Wer sich die Mühe macht und extra vegane Alternativen z.B. zu einem gemeinsamen Brunch auftischt, der kann das gerne tun. Wer sich damit aber überfordert fühlt, muss sich nicht mit griesgrämigen Essensverweigerern herumschlagen. Entweder bringen wir selbst etwas mit, wovon dann alle probieren und meistens sogar überzeugt sind (ich sag nur "Rüblitorte"). Aber wenn das nicht geht, esse ich auch schon mal ein gutes Stück Fleisch. Menschen und Beziehungen gehen an dieser Stelle vor. Milchprodukte meide ich aber weitestgehend, weil sich das mittlerweile sofort auf meine Haut auswirkt. Die ist das wahrscheinlich gar nicht mehr gewohnt und rebelliert nun beim kleinsten Stück Käse.

Mag sein, dass ich dadurch kein "echter" Veganer bin (was auch immer das heißen mag), aber ich bin fest davon überzeugt, dass man nur so andere auch davon überzeugen kann. Die radikale "ganz oder gar nicht"-Methode heißt für viele dann eben "gar nicht", aber kleine Schritte nacheinander tun ist eigentlich für jeden machbar! 1000 Menschen, die nur eine Mahlzeit pro Tag ersetzen, verschonen mehr Tiere als 10 Hardcore-Veganer, die bis in die letzte Ritze tierleidfrei durchs Leben gehen. Jeder soll nach seiner Faßon selig werden, ich habe großen Respekt vor allen, die für sich selbst entschieden haben, wirklich 100% vegan zu leben. Aber dann bitte auch nicht die anderen runterputzen, die noch nicht so weit sind.

Peace out
der Jörn


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